Christa Müller und Ursula von der Leyen
Die Auseinandersetzung der
fortschrittlichen Kräfte auf dem Gebiet der Familienpolitik mit den
konservativen, also einer Christa Müller (
St. gen.)
mit einer Ursula von der Leyen scheint in eine neue Phase getreten zu
sein. Das wird deutlich in der neuesten Ausgabe des "Spiegel". (
Spiegel)
Das Interview mit beiden Damen sollte man vollständig kennen.
Es sind
der gereizte Ton, mit dem Ursula von der Leyen reagiert und die klar
umrissenen Vorstellungen von Christa Müller, die die Bedeutung dieses
Interviews ausmachen (siehe auch Bild unten). Mit den beiden
"Spiegel"-Journalistinnen waren es übrigens vier Frauen in einer Runde.
Daß
Edmund Stoiber schon gestern aus Anlaß dieses Interviews kräftige Worte
gegen Ursula von der Leyen fand und sich damit auf die Seite der Partei
"Die Linke" stellte, bleibt da dann fast nur noch am Rande zu bemerken.
(
Yahoo Nachrichten)
Aber vielleicht sollten doch die Stoiber-Meldung vorweggenommen werden,
weil man so klare und deutliche Worte aus seinem Mund noch nicht gehört
hat:
Der Union droht eine Kontroverse über die
Familienpolitik. CSU-Chef Edmund Stoiber wirft Bundesfamilienministerin
Ursula von der Leyen (CDU) vor, das Betreuungsgeld «ideologisch zu
diffamieren». Darüber werde es «eine intensive Diskussion mit unserer Schwesterpartei» geben, sagte der bayerische Ministerpräsident der «Süddeutschen Zeitung» (Montagausgabe).
Auslöser
für Stoibers Ärger ist ein Streitgespräch Leyens mit Christa Müller,
der Ehefrau des Linke-Vorsitzenden Oskar Lafontaine, im «Spiegel». Die
Ministerin kritisiert darin das Betreuungsgeld, das die CSU an Eltern
auszahlen möchte, die ihre Kinder zu Hause betreuen und nicht in eine
Kinderkrippe geben.
Leyen betonte: «Mit dem Betreuungsgeld
verstärken wir den Teufelskreis, in dem Kinder, die von zu Hause keine
Chance auf frühe Bildung, gute Sprache, wenig Fernsehen, viel Bewegung
haben, vom Kindergartenbesuch ausgeschlossen werden, weil ihre Eltern
mit 150 Euro lieber ihre Haushaltskasse aufbessern.» Die CDU-Politikerin
plädierte stattdessen erneut dafür, ein Betreuungsgeld «in
Bildungsgutscheinen auszuzahlen, so dass das Geld sicher in Bildung
geht».
Stoiber nannte die Kritik «völlig unverständlich». Die
Ministerin verkenne, dass sich eine große Mehrheit der Eltern darum
bemühe, in den ersten Lebensjahren eine Bezugsperson für ihre Kinder zu
sein. Der CSU-Chef kündigte massiven Widerstand seiner Partei an,
sollte Leyen bei ihrer Linie bleiben. Stoiber wies darauf hin, dass in
Bayern 70 Prozent der Bevölkerung für das Betreuungsgeld seien. «Auch in
der CDU steht eine große, schweigende Mehrheit hinter dieser Idee»,
sagte er. Die CDU sei deshalb «gut beraten», diesen Mehrheitswillen aufzugreifen.
Und
nun das "Spiegel"-Interview. Um den Lesefluß nicht zu stören, sind
eigene Anmerkungen, die eigentlich auch Frau Müller hätte machen können,
nummeriert an das Ende des Textes gesetzt worden. (Hervorhebungen nicht
im Original.)
SPIEGEL: Frau Familienministerin, mit sieben Kindern haben Sie gleichzeitig noch einen Ganztagsjob. Sind Sie eine Rabenmutter?
Von
der Leyen: Das Wort gehört schon lange auf den Müllhaufen der
Geschichte. Der Rabenvogel ist bekanntlich eine fürsorgliche Vogelart.
Insofern tun wir auch den Tieren unrecht, wenn wir sie mit einem solchen
Vorwurf konfrontieren.
SPIEGEL: Sind Ihre Kinder denn nie sauer, weil Sie zu wenig Zeit mit Ihnen verbringen?
Von
der Leyen: Diesen Konflikt hat es immer gegeben, sowohl in der Zeit,
als ich viel gearbeitet habe, als auch in den Jahren, als ich mit den
Kindern zu Hause war. Das gehört einfach zum Alltag dazu, gerade bei
sieben Kindern mit ganz unterschiedlichen Interessen. Ich kann
schließlich nicht gleichzeitig beim Fußballspiel, im Schwimmbad und beim
Ponyrennen dabei sein. (1)
SPIEGEL: Frau Müller, Sie haben nach der Geburt Ihres Sohnes Ihre Karriere beendet. Sind Sie glücklich als Heimchen am Herd?
Müller:
Der Begriff "Heimchen am Herd" diffamiert Millionen Frauen, welche die
gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit der Kindererziehung und Pflege
ihrer Eltern leisten. Früher war ich auch davon überzeugt, dass man als
Mutter natürlich weiter erwerbstätig sein sollte. Aber unser Sohn
Carl-Maurice, der 1997 zur Welt kam, brauchte meine Anwesenheit mehr,
als ich vorher gedacht hatte. Heute ist mir das Glück meiner Familie
einfach wichtiger als ein Job. Meine Familie macht mich glücklich.
SPIEGEL: Können berufstätige Frauen denn überhaupt gute Mütter sein?
Müller: Nur wenn die Mütter genug Zeit für die Kinder haben. Und wer sagt, dass Mütter unbedingt Karriere machen wollen? Nur für 20 Prozent aller Mütter ist Vollzeiterwerbsarbeit das Ideal.
Von
der Leyen: Sie unterschlagen, dass 60 Prozent der jungen Frauen mit
Kindern Teilzeit arbeiten möchten. Damit sind wir in der Summe schon bei
der überwältigenden Mehrheit von 80 Prozent, die Kindererziehung und
Beruf vereinbaren wollen. Und genau dies zu schaffen ist unser Ziel.
Wenn wir junge Frauen genauso gut ausbilden wie junge Männer, dann
möchten sie zu Recht auch ihre Talente einsetzen.
SPIEGEL: Führen Hausfrauen in Ihren Augen ein rückständiges Leben?
Von
der Leyen: Nein. Entscheidend ist nicht, ob Mütter oder Väter
erwerbstätig sind, sondern wie zufrieden sie mit ihrer Lebenssituation
sind. Wenn eine Frau gern zu Hause ist, ist alles in Ordnung. Wenn sie
zu Hause bleiben muss, weil sie keine Kinderbetreuung findet und damit
nicht die Wahl hat, ein Jobangebot anzunehmen, dann wird sie frustriert
sein, und das wirkt sich negativ aufs häusliche Klima aus. (2)
Umgekehrt gilt: Eltern, die glücklich sind in ihrem Job und die Balance
zwischen Familie und Beruf gut meistern, sind motivierende, zugewandte,
aufmerksame Mütter und Väter. (3)
SPIEGEL: Die Bundesregierung will bis 2013 die Anzahl der Krippenplätze verdreifachen. Wäre das eine Lösung?
Müller:
Die 500.000 neuen Plätze für die Fremdbetreuung von Kindern entsprechen
doch gar nicht der Nachfrage. So viele brauchen wir nicht. Durch ein
Überangebot entsteht Druck auf die Frauen, ein Jahr nach Geburt ihres
Kindes arbeiten zu gehen. Das nenne ich Zwang zur Fremdbetreuung.
Von der Leyen: Erstens unterstellen Sie mit dem bösartigen Wort Fremdbetreuung (4)
allen Eltern, die ihre Kinder stundenweise bei einer Tagesmutter oder
in einer Kita haben, sie wären nicht die Erzieher ihrer Kinder, sondern
Fremde würden dies übernehmen. Zweitens: Sie haben offenbar seit März
nicht mehr die Nachrichten verfolgt: Den Bedarf an Krippenplätzen haben
Bund, alle Landesjugendminister und die kommunalen Spitzenverbände
natürlich längst ermittelt. Wir brauchen Betreuungsplätze für ein
Drittel der unter Dreijährigen. Das Angebot wäre dann gerade mal im
europäischen Durchschnitt und entspricht dem Wunsch der Eltern.
Müller:
Aber Sie unterscheiden ja nicht zwischen dem, was die Eltern wollen,
und dem, wozu sie gedrängt werden. Bei uns im Saarland gibt es Fälle, da
werden Hartz-IV-Empfängerinnen, die ihre drei kleinen Kinder zu Hause
betreuen, dazu gezwungen, einen Ein-Euro-Job anzunehmen und ihre Kinder
in eine Kindertagesstätte zu geben. Das ist Arbeitszwang für die Mütter.
Die haben überhaupt keine Wahl.
Von der Leyen: Natürlich haben
sie die! Was Sie hier verbreiten, entspricht absolut nicht der
Gesetzeslage. Das wissen Sie doch auch! Auch für Hartz-IV-Empfängerinnen
gibt es das Recht, in den ersten drei Jahren Elternzeit zu nehmen. (5) Im
Übrigen wollen zwei Drittel dieser Frauen mit Kindern unter drei Jahren
lieber arbeiten, denn sie wollen aus Hartz IV raus und auf eigenen
Füßen stehen. Was ihnen fehlt, ist Kinderbetreuung. Es sind 75 000
alleinerziehende Frauen mit Kindern unter drei Jahren in Hartz IV, von
denen 60 000 arbeiten wollen. Sie können das nicht, weil sie keine
Kinderbetreuung finden. Das ist doch ein Armutszeugnis für unser Land! (6)
SPIEGEL:
Frau Müller, Sie warnen davor, Kinder "wegzuorganisieren", und sind auf
einer Linie mit dem Augsburger Bischof Walter Mixa, der die
Krippenpläne der Bundesregierung für "kinderfeindlich und ideologisch
verblendet" hält.
Müller: Bischof Mixa hat gesagt, die Familien
würden der Ökonomie untergeordnet, und das mache die Familie kaputt. In
dieser Beurteilung hat er recht. Es geht nicht, dass wir das gesamte
Leben nur noch wirtschaftlichen Erfordernissen unterwerfen. In den
fünfziger Jahren, als noch das Hausfrauenmodell dominierte, hat die
Familie durchschnittlich 48 Stunden Erwerbsarbeit geleistet. Heute
arbeiten Männer und Frauen 60 Stunden, und in Zukunft sollen es bei
Vollerwerbstätigkeit beider Elternteile 80 Stunden sein. Für die Familie
bleibt dann kaum noch Zeit.
Von der Leyen: Sie tun so, als ob
sich nur die Arbeitsweise verändert hat, bei sonst gleichen Bedingungen.
Seit den fünfziger Jahren haben wir den Übergang zur
Wissensgesellschaft und zu einer globalisierten Welt erlebt. Leute wie
Sie fordern für Familien nur die Verhältnisse der Fünfziger, anstatt
Familien konkret in der Welt, wie sie heute ist, zu unterstützen. (7)
SPIEGEL: Frau Müller, wollen Sie zurück zum Hausfrauenmodell der fünfziger Jahre?
Müller:
Nein. Mir geht es um das Wohl der Kinder. Umfragen zeigen: Sobald
Kinder selbst entscheiden können, ob sie in die Betreuung wollen oder
nicht, gehen sie nicht mehr hin. Kinder fühlen sich in den Familien am
besten aufgehoben, in denen Vater und Mutter Teilzeit arbeiten oder die
Mutter Hausfrau ist. Am unwohlsten fühlen sich die Kinder, deren Eltern
beide Vollzeit arbeiten.
Von der Leyen: Belästigen Sie uns bitte nicht (8) mit Ihren persönlichen Umfragen, sondern lesen Sie nach, was die Wissenschaft zum Kindeswohl geforscht hat.
SPIEGEL: Selbst konservativere Bindungsforscher sagen, dass Fremdbetreuung ab einem Alter von 15 Monaten nicht schadet.
Müller:
Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen: Es gibt Kinder,
die Fremdbetreuung gut verkraften, und solche, die es schlecht
verkraften.
Von der Leyen: Frau Müller, Sie sollten aufhören, den Familien ein schlechtes Gewissen zu machen. (9)
Die Wirklichkeit ist komplexer. Männer und Frauen können mit ihrem
Beruf und ihren Kindern glücklich werden, wenn die Rahmenbedingungen
stimmen.
Müller: Aber genau die stimmen nicht, denn Familien sind
gegenüber Kinderlosen finanziell extrem benachteiligt. Das Ifo-Institut
hat ausgerechnet, dass ein Kind im Durchschnitt rund 77.000 Euro mehr
an Steuern und Sozialleistungen zahlen wird, als es jemals
zurückbekommt. Das heißt, dass Familien in Deutschland Kinderlose
subventionieren. Daran muss etwas geändert werden.
Von der Leyen:
Okay, jetzt spielen Sie also nicht mehr Familien gegeneinander aus,
sondern jetzt geht's gegen die Kinderlosen. Hören Sie auf mit der
Negativdebatte. (10)
Wir müssen uns doch fragen, wie wir in Zukunft gut miteinander leben
wollen, und deshalb will ich konstruktiv verbessern und verbinden.
Deshalb haben wir das Elterngeld eingeführt.
Müller: Viele
Familien würden sich gern auch nach diesen 14 Monaten selbst um ihre
Kinder kümmern, aber ihnen fehlt oft das Geld dafür. Deswegen fordern
die Linke im Saarland und christliche Familienverbände ein Erziehungsgehalt, und zwar für alle, nicht nur für die Besserverdienenden. Im
ersten Jahr monatlich 1600 Euro pro Kind, 1000 Euro im zweiten und
dritten Jahr und zwischen dem 4. und 20. Lebensjahr 500 Euro. (11) Zudem verfügen dann Millionen Hausfrauen über ein sozialversicherungspflichtiges Einkommen und würden endlich fast so viel verdienen wie die Männer. Ihre Geringschätzung der Familienarbeit ist rückständig. (12)
Von der Leyen: Ihr Ansatz ist ein hohles Versprechen. Sie sagen zwar, dass Ihr Schlaraffenland (13) brutto 116 Milliarden Euro kostet. Sie haben schlankweg mal eben fast die Hälfte des gesamten Bundeshaushalts ausgegeben. (14)
Kein Wort davon, woher das Geld kommt. Kein Wort davon, dass es
erarbeitet werden muss. Ich sage: Im Grundsatz kann ein Staat nur
funktionieren, wenn die Menschen die Möglichkeit haben, ihr Einkommen
selber zu verdienen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Familien damit
auf Dauer besser fahren.
Müller: Aber das Erziehungsgehalt ist doch verdientes Geld, da wird doch Leistung bezahlt! (15)
Von
der Leyen: Ihr Vorschlag klingt natürlich toll, aber als Volkswirtin
sollten Sie eigentlich wissen, dass Wohlstand erarbeitet werden muss. (16) Ich denke, dass sich im Prinzip jeder bemühen soll, seine Talente einzusetzen, um auf eigenen Beinen zu stehen. (17) Das gilt auch für Familien mit Kindern. Sie gaukeln zudem vor, dass der Staat eine große Gelddruckmaschine sei. Das ist absurd. (18)
Müller: Absurd
ist das, was Sie sagen. Ohne Familienarbeit gibt es keinen Wohlstand.
Wenn Betreuung, Erziehung und Fürsorge für Kinder institutionell
geleistet wird, dann wird sie bezahlt, dann ist sie etwas wert, dann
gilt das als Arbeit. Wenn aber Mutter und Vater dieselbe Tätigkeit zu
Hause ausüben, dann wollen Sie diese Arbeit nicht vergüten. (19) Obwohl die Eltern das oft viel besser machen als professionelle Kräfte, weil sie motivierter sind, wenn es ihr eigenes Kind ist.
Von
der Leyen: Familienarbeit muss von uns allen geleistet werden, ob es
die Pflege der alten Eltern ist oder die Erziehung der Kinder. Und weil
uns das so wichtig ist, fördern wir dies als Gemeinschaft jedes Jahr mit
rund 30 Milliarden allein durch das Ehegattensplitting und die
beitragsfreie Kranken- und Pflegeversicherung der Ehegatten zu Hause.
Jetzt frage ich mich immer noch, woher nehmen Sie Ihren zusätzlichen
dreistelligen Milliardenbetrag?
Müller: Das Erziehungsgehalt ist
problemlos zu finanzieren. Netto brauchen wir rund 38 Milliarden Euro,
die über eine Börsenumsatzsteuer, die Wiedereinführung der
Vermögensteuer und die Erhöhung der Erbschaftsteuer aufgebracht werden
können.
Von der Leyen: Das ist gerade mal ein Drittel Ihrer Rechnung, und es sind doch alles nur schöne Luftschlösser.
SPIEGEL: Frau
von der Leyen, Sie gönnen den Vollzeitmuttis nicht einmal die 150 Euro
Betreuungsgeld, auch "Herdprämie" genannt, die Ihre Schwesterpartei CSU
fordert. Ist Ihnen die Leistung dieser Frauen nichts wert? (20)
Von
der Leyen: Darum geht es nicht. Mit dem Betreuungsgeld verstärken wir
den Teufelskreis, in dem Kinder, die von zu Hause keine Chance auf frühe
Bildung, gute Sprache, wenig Fernsehen, viel Bewegung haben, vom
Kindergartenbesuch ausgeschlossen werden, weil ihre Eltern mit 150 Euro
lieber ihre Haushaltskasse aufbessern. Deshalb ist mein Vorschlag, ein
Betreuungsgeld in Bildungsgutscheinen auszuzahlen, so dass das Geld auch
sicher in Bildung geht.
Müller: Was sollen Eltern mit einem Bildungsgutschein, wenn sie sich mit ihrem Kind lieber selbst beschäftigen wollen?
Von
der Leyen: Gerade die Eltern, die Wert auf Bildung legen, fragen heute
ja schon am meisten Bildungsangebote nach. Sie profitieren also auch,
wenn sie den Gutschein in der Musikschule einlösen.
Müller: Aus
der Intelligenz- und Bindungsforschung weiß man aber auch, dass für die
intellektuelle Entwicklung des Kindes die Bindung an eine feste
Bezugsperson ganz entscheidend ist. Das ist normalerweise die Mutter,
aber nicht wechselndes Personal in Kinderkrippen.
SPIEGEL: In
vielen europäischen Ländern haben Krippen Tradition. In Dänemark etwa
werden 83 Prozent der unter Dreijährigen fremdbetreut. Die sind ja auch
nicht alle geistig und seelisch verkümmert.
Müller: Auch
Frankreich dient immer als Vorbild, was die Krippenquote anbelangt.
Dabei hat Frankreich gerade mal für neun Prozent der unter Dreijährigen
Betreuungsplätze, genau wie Deutschland.
Von der Leyen: Das ist
doch Unsinn. Lesen Sie die offizielle Statistik, die Betreuungsquote
liegt bei 27 Prozent. Und in diesen Ländern profitieren die Kinder
davon, dass Wert auf gute Qualität und Zusammenarbeit der Tagesmütter
und Kinderkrippen mit den Eltern gelegt wird. Übrigens sind dort die
Schulleistungen besser als bei uns. Die Frauenerwerbstätigenquote ist
höher und mehr Kinder werden geboren, die Kinderarmut ist geringer. Da
müssen wir hinkommen.
SPIEGEL: Frau Müller, Sie haben in den
neunziger Jahren mal gesagt, Ihre Emanzipation basiere auf Ihrem Beruf
und Ihrer finanziellen Unabhängigkeit. Sind Sie heute noch emanzipiert?
Müller:
Natürlich, denn ich habe die gleichen Rechte wie mein Mann, trotz der
klassischen Arbeitsteilung. Es ist für mich überhaupt keine
Einschränkung. Ich vermisse nichts.
Von der Leyen: In diesem
Punkt muss ich Frau Müller beispringen. Wenn sie diesen Lebensweg wählt
und sich um ihr Kind kümmert und um die alte Mutter oder
Schwiegermutter, dann ist das hoch anerkennenswert. Ich bin der Meinung,
dass nachhaltige Familienpolitik nur dann gelingen kann, wenn wir
diesen unseligen Streit darüber ein für alle Mal zu den Akten legen, wie
Frauen, wenn sie Mütter werden, sich zu verhalten haben.
SPIEGEL: Wo bleiben in der ganzen Diskussion die Väter? Sind die nicht genauso verantwortlich für die Kindererziehung?
Müller:
Leider werden die Väter bei uns immer noch ziemlich ausgeklinkt. Dabei
stehen sie durchaus in der Verantwortung. Väter sind wichtig, vor allem
für die Jungs. Ab einem gewissen Alter brauchen Söhne die Orientierung
an männlichen Vorbildern. Deshalb brauchen wir Arbeitszeitverkürzungen für Väter.
SPIEGEL: Und wie läuft das bei Ihnen und Ihrem Ehemann Oskar Lafontaine?
Müller:
Mein Mann hat sich in den ersten Jahren ziemlich eingebracht, bis er
Finanzminister wurde. Das ließ sich dann nicht mehr vereinbaren. Ein
guter Bundesfinanzminister und ein guter Vater zu sein, das war nicht
möglich.
Von der Leyen: Auch berufstätige Männer können gute
Väter sein. Es gibt in Deutschland viele Väter, die Zeit mit ihren
Kindern verbringen und effektiv arbeiten. Es geht also darum, eine
kinderfreundliche Arbeitswelt zu schaffen.
SPIEGEL: Frau Müller,
Sie haben sich gegen Ihren Beruf und für die Familie entschieden, Frau
von der Leyen kombiniert Kinder und Karriere. Versuchen Sie beide, mit
Ihrer Politik nun den eigenen Lebensentwurf zu rechtfertigen?
Von
der Leyen: Ich glaube nicht, dass man den persönlichen Lebensweg
vollständig ausblenden kann. Meine eigenen Erfahrungen, die vielen
Jahre, die ich zu Hause war, die vielen Jahre, die ich Teilzeit
gearbeitet habe, und die vielen Jahre, die ich jetzt Vollzeit arbeite,
haben unterschiedliche Spuren hinterlassen. Das fließt natürlich alles
in die Politik ein, die ich jetzt für die Familien umsetze, die einen
ganz normalen Alltag mit Kindern in unterschiedlichsten
Lebenssituationen bewältigen.
http://wasstehtfuerwascom.blogspot.de/2012/11/werdegang-ursula-von-der-leyen.html
Müller: Ich versuche, von meinen
persönlichen Entscheidungen zu abstrahieren, weil ich ja weiß, dass alle
Menschen letztendlich verschieden sind. Ich finde, es ist Aufgabe der
Politik, Menschen den Lebensweg zu ermöglichen, für den sie sich selbst
entscheiden. Wir wollen Freiheit für alle.
SPIEGEL: Das klingt
jetzt ausnahmsweise mal nach Ihrer Linkspartei, meist stehen Sie mit
Ihren wertkonservativen Ansichten ja quer zu den Genossen. Und Frau von
der Leyens Krippenvisionen bedeuten für manchen Unionskollegen den
Untergang des Abendlandes. Sollten Sie nicht lieber Ihre Parteibücher
tauschen? (21)
Müller:
Man ist ja nicht in allen Fragen in Übereinstimmung mit jedem
Parteimitglied. Letztendlich kommt es auf die Mehrheiten an.
Von
der Leyen: Ich fühle mich sehr wohl in meiner Union. Und wenn ich sehe,
welche hohe Zustimmung wir in der Bevölkerung für unsere Familienpolitik
haben, dann weiß ich uns auf dem richtigen Weg.
SPIEGEL: Frau Ministerin, Frau Müller, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Anmerkungen von "Studium generale":
Fremdbetreuung - bösartiger Begriff oder bösartiges Phänomen?
Unser Beitrag:
Von der Leyen will mit allen Mitteln, Bundeskanzlerin werden. Heute mit 55 Jahren nimmt sie das Amt des Verteidigungsministerin an,[ ein Verteidigungsminister braucht kein Jura Studium] ist das die einzige Amt das noch übrig blieb. Das Ziel Ursel von der Leyens ist weiterhin das bestreben der Bundeskanzlerin.
Wir brauchen mehr Bürgerbeteiligung im Bundestag, dafür stehen wir. Damit Personen, wie Ursula von der Leyen endlich in ihren Schranken gewiesen werden.
Bürgerbeteiligung ist für alle da
Diskussionen im Bundestag haben an Bedeutung verloren. Neue Formen
der Bürgerbeteiligung sind aus der Bevölkerung selbst heraus entstanden.
Die Herrschaft des Volkes wird greifbar.
Lesen..
Beitrag zu von der Leyens zukünftigem Willen
Zwischen Gestern und Heute
Die mediale Bilderbuchkarriere begann sie nach dem Abitur 1977 als
Langzeitstudentin. Ihr erstes Studium der Volkswirtschaftslehre in
Göttingen und Münster brach sie 1980 ab. Auch ihr Vater brach sein
erstes Studium nach sechs Semestern ab. Allerdings studierte er danach
Volkswirtschaftslehre, ein kleiner Unterschied.
Alsdann beschloss Ursula von der Leyen Ärztin zu werden. Ihr
Großvater war Arzt in Bremen. Dieses schloss sie nach 14 Semestern 1987
mit der Approbation als Ärztin ab. In diesem Jahr gebar sie auch ihr
erstes Kind, nachdem sie seit einem Jahr mit Heiko von der Leyen
verheiratet war. Vier Jahre nach der Approbation erfolgte 1991 auch die
Promotion zum Dr. med.
Bis zur Geburt ihres dritten Kindes 1992 arbeitete sie als
Assistenzärztin an der Frauenklinik der Medizinischen Hochschule
Hannover, wo sie auch studiert hatte.
Zur Fachärztin brachte sie es
jedoch nicht. Freilich hat sie nichts dagegen, wenn sie in den Medien
gerne als "Frauenärztin" oder "Gynäkologin" bezeichnet wird. Selbst auf
der Homepage ihres eigenen Ministeriums (Bundesministerium für alle außer Männer)[2] wird sie in einem Portät von "DIE ZEIT" als "promovierte Gynäkologin" bezeichnet.[3]
Denn 1992 brach sie die Facharztausbildung ab und folgte ihrem
Mann für vier Jahre nach Kalifornien (USA). In der medialen
Selbstdarstellung wurde sie jedoch ein Opfer frauenfeindlicher
Arbeitsbedingungen (Süddeutschen Zeitung, Die Welt). Weder ihr damaliger
Oberarzt im Praktischen Jahr, Professor Wolfgang Heidenreich, noch ihr
damaliger Oberarzt als Assistenzärztin, Professor Friedrich Degenhardt,
können dies nachvollziehen. Die Zeit in den USA erscheint in ihrem offiziellen Lebenslauf
als "Aufenthalt in Stanford", was suggeriert, sie hätte an der
US-Amerikanischen Eliteuniversität gelehrt oder geforscht. Jedoch war
sie dort nur als Gasthörerin eingeschrieben. In dieser Zeit bekam
vdL zwei weitere Kinder.[.........]
Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland 1996 erklärte sie 2002 dem
"Hamburger Abendblatt": "An eine Praxis als Frauenärztin war nicht zu
denken." Und zwar der Kinder wegen. An eine Praxis als Frauenärztin war
wohl vor allem deshalb nicht zu denken, weil sie eben gar keine
Frauenärztin war. Von 1996 bis 2002 war sie wissenschaftliche
Mitarbeiterin an der Abteilung für Epidemiologie, Sozialmedizin und
Gesundheitssystemforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover und
erwarb dort 2001 den Master of Public Health (MPH). Somit konnte die
inzwischen siebenfache Mutter im Alter von 43 Jahren ihren zweiten
Hochschulabschluss vorweisen. Eine wissenschaftliche Karriere ist daraus
jedoch nicht geworden.